Sarajevo 2026: Eine Stadt im Smog – Warum die Luftqualität so schlecht ist
- Sunny Pi-San Capatt
- 27. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Am 23. Januar 2026 meldete die globale Luftüberwachungsplattform IQAir alarmierende Zahlen: Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, gehörte zu den zehn Städten mit der schlechtesten Luftqualität weltweit. Bereits am Abend des 22. Januar 2026 erreichte der sogenannte Air Quality Index (AQI) gefährliche Werte über 400. Die Feinstaubkonzentrationen (PM2.5) lagen weit über den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dichte, graue Smogschichten legten sich über die Stadt und reduzierten die Sicht auf ein Minimum.
Zwar sorgten Regen und etwas Wind in den Tagen danach für eine vorübergehende Verbesserung, doch bleibt die Luftverschmutzung im Winter ein wiederkehrendes Problem. Bei sogenannten Temperaturinversionen wird die kältere, verschmutzte Luft in Sarajevo’s Talsenke regelrecht gefangen – ein Phänomen, das sich Jahr für Jahr wiederholt.
Alarmierende Messwerte von IQAir
Laut IQAir lag Sarajevos Luftqualität während der Smogperiode im „gesundheitsgefährdenden“ Bereich. Die gemessenen Feinstaubwerte (PM2.5) überstiegen die WHO-Grenze um ein Vielfaches. Schon im Jahresdurchschnitt 2024 betrug der Wert 30,8 Mikrogramm pro Kubikmeter, also mehr als das Sechsfache des WHO-Richtwerts von 5 Mikrogramm.
Die geografische Lage ist einer der Hauptgründe für diese extremen Werte. Eingebettet in ein Tal und umgeben von Bergen, kann sich in Sarajevo kaum Frischluftzirkulation entwickeln. Dadurch bleibt die verschmutzte Luft oft tagelang in der Stadt eingeschlossen.
Ursachen des Smogs: Erkenntnisse aus der Forschung
Parallel zu den Messungen von IQAir veröffentlichten Forschende des Paul Scherrer Instituts (PSI) gemeinsam mit internationalen Partnern eine umfassende Studie zum sogenannten SAAERO-Projekt (Sarajevo Aerosol Experiment). Die Ergebnisse liefern detaillierte Einblicke in die Ursachen der Luftverschmutzung.
Die mobile Datenerfassung zeigte, dass die Feinstaubbelastung innerhalb der Stadt, je nach Viertel und Tageszeit, stark variiert. Es handelt sich also nicht einfach um ein pauschales „Smogproblem“, sondern um eine komplexe Mischung verschiedener Quellen.
Die wichtigsten Quellen der Luftverschmutzung
1. Heizen mit Holz und Kohle
Der grösste Anteil des winterlichen Feinstaubs entsteht durch das Heizen in Privathaushalten. Besonders in den Abendstunden, wenn viele Menschen ihre Öfen anfeuern, steigt die Belastung massiv. In einigen Wohngebieten stammen bis zu 60 Prozent der gemessenen Partikel aus Holzverbrennung.
2. Emissionen aus Restaurants und Küchen
In der Altstadt, insbesondere rund um Baščaršija, stammt ein erheblicher Teil der Luftverschmutzung nicht aus Heizanlagen, sondern aus den Restaurants selbst. Offene Grills und Holzkohleöfen setzen dichte Rauchfahnen frei, die sich in den engen Straßen sammeln.
3. Schwefeldioxid aus regionalen Kohlekraftwerken
Ein weiteres Problem ist Schwefeldioxid (SO₂), das vor allem aus älteren Kohlekraftwerken in der Region stammt. Diese Emissionen gelangen über die Luftströmungen in das Tal und verstärken die Schadstoffbelastung zusätzlich.
Gesundheitsgefahren und Ausblick
Besonders bedenklich ist, dass die Forschenden auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) fanden. Stoffe, die als krebserregend gelten. Diese Kombination aus ineffizientem Heizen, topografischer Lage und zusätzlichen Emissionen aus Gastronomie und Industrie erklärt, warum Sarajevo im Winter regelmässig zu den am stärksten mit Feinstaub belasteten Städten Europas zählt.
Teilweise mit Werten, die sogar jene von Metropolen wie Peking übertreffen.
Was sich ändern muss
Die Daten von IQAir und die wissenschaftlichen Erkenntnisse des PSI zeigen klar: Sarajevos Luftprobleme sind kein kurzfristiges Wetterphänomen, sondern strukturell bedingt. Ohne tiefgreifende Veränderungen wird sich daran wenig ändern. Notwendig sind modernere Heizsysteme, bessere Stadtplanung und eine Reduktion der Emissionen aus regionalen Kraftwerken.
Nur durch gemeinsames Handeln von Behörden, Forschung und Bevölkerung lässt sich der gefährliche Wintersmog langfristig bekämpfen, damit Sarajevo nicht jedes Jahr aufs Neue im dichten Nebel aus Feinstaub verschwindet.
Quelle: https://www.eurasiareview.com/ und https://www.iqair.com/




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